14 Jan 2026 Allgemein

Warum ein Blog? Und warum dieser Name?

Wer es sprachlich ganz genau nimmt, könnte jetzt sagen, dass das „frühe Internet” eigentlich die 80er beschreibt. Ich meine damit aber die Zeit zwischen Mitte der 90er und den frühen 2000er Jahren. Das frühe, für viele Menschen zugängliche Internet eben. Außerdem tue ich mich schwer damit, Dingen einen Namen zu geben und jetzt heißt dieser Blog halt so.

Ich bin seit meiner Jugend hier in diesem Internet, lol. Ein Ort – oder eben Nicht-Ort, der für mich schnell ein zweites Zuhause dargestellt hat. Hier habe ich gelernt, dass es andere Lebensentwürfe gibt, andere Ansichten, andere Kunst. Ich habe gelernt, dass es einen Ort für uns Außenseiter gibt und das hat mir viel Ruhe gegeben. Gleichzeitig konnte ich ohne Schutzmechanismen die Grausamkeiten der Welt sehen – keine Ahnung was das mit mir gemacht hat aber ich geh gerne aufgeklärt an die Dinge, also alles cool. Es war nicht so schlimm.

Ich erinnere mich sehr gut und ein bisschen wehmütig an die Zeiten, in denen man ein YouTube-Tutorial zu einem Synthesizer gesucht hat und danach 3 Videos später die absurdesten UFO-Verschwörungstheorien, Kochvideos und Vlogs von Unbekannten angeboten bekommen hat. Ein riesen Unterschied zu heute war, dass die Inhalte viel diverser waren und man irgendwann immer an einem Punkt angekommen ist an dem man sich gesagt hat „okay das ist jetzt wirklich genug.”

Das klingt hier alles so, als wäre ich jemand, der sich gerne die Vergangenheit zurückwünscht aber das Gegenteil ist der Fall (vertrau!). Als das Internet „sozial” wurde, hat das viele tolle Dinge mit sich gebracht. Unter Anderem mehr Menschen, die sich trauen, im Internet sichtbar zu werden. Was gerade aber weniger gut läuft, sind Algorithmen mit denen Plattformen versuchen, mich noch länger an sie zu binden. Seit meinem iPod – Rabbithole kann man sich vorstellen, wie meine Social Feeds aussehen. Man gerät gerade auf Instagram irgendwie immer in einen Strudel aus toxischen Vergleichen, Hetze, verhärteten Fronten und Brainrot (und bestimmt noch viel mehr und nichts davon ist gut).

Das beeinflusst mich sowohl als Konsument als auch als jemand, der Inhalte im Internet veröffentlicht. Eine Zeit lang dachte ich, ich müsse das Spiel unbedingt mitspielen und mich auf eine Nische festlegen, damit ich den Algorithmus please und meine Inhalte Sichtbarkeit bekommen. Das war aber einfach nur ätzend.

Schnell (nicht schnell, viel zu langsam) habe ich aber gemerkt, dass mir das überhaupt nicht liegt und ich eben keinen Bock darauf habe, im Internet so zu tun, als hätte ich nur eine einzige, extrem nischige Leidenschaft. Ich versuche ständig, alles miteinander zu kombinieren und möglichst viele Techniken zu lernen. Mir gefallen extrem viele unterschiedliche Dinge und ich versuche, mit diesem Blog eine Möglichkeit zu schaffen, alles unter einen Hut zu bringen. Ohne Instant-Belohnung durch Likes und Kommentare. Denn auch, wenn ich immer groß rumtöne, dass es mir egal ist, wie es bei den Leuten ankommt, machen diese Mechanismen wirklich süchtig.

Und warum poste ich nicht einfach auf Instagram und co. und ignoriere Likes&Shares? Mache ich sicher auch weiterhin. Die Dinge, die mir wirklich am Herzen liegen, hoste ich aber lieber selbst und lasse sie mir dann erst von der KI klauen – immerhin kann ich das dann nachträglich ändern, hehe. Außerdem kann ich hier alles ohne Einschränkungen einbauen, seien es Fotos, Videos oder Links.

Auch wenn es sich cheesy anhört: ein Blog bzw eine Webseite bietet mir die Möglichkeit, eine eigene Welt aufzubauen und (das ist jetzt wieder der Bogen zurück zum Namen) wenn ich mir eine Welt wünschen könnte wäre es das Internet ohne Interessens-Algorithmen, ohne KI und ohne Tech Bros. Als das Geld kam, wurde es hier halt uncool – wie so ziemlich überall.

Und wenn du jetzt immer noch liest: Herzlich Willkommen im Early Internet Club! Ich freue mich immer, Leute (online) kennenzulernen. Schreib mir gern eine Mail an hallo@earlyinternetclub.com