Es gibt ein paar Gründe, warum ich wieder auf den iPod umgestiegen bin. Ich hatte das Glück, dass mein alter iPod noch einen guten Akku hat und konnte direkt loslegen. Deshalb bin ich seit ein paar Monaten wieder im Game. Für mich gibt es viele praktische Gründe, wie zum Beispiel besserer Sound und ein Gerät dabei zu haben, das nur zum Musikhören da ist. In einem älteren Beitrag habe ich dazu ja schon etwas geschrieben. In diesem Beitrag soll es eher um meine übergeordneten Motive gehen.
Mein Musikkonsum hat über die letzten Jahre krass gelitten. Eine Ahnung, dass es so ist, hatte ich schon lange aber so richtig aufgefallen ist es mir erst jetzt, wo ich regelmäßig einen Stapel Musik habe, der von Freunden und mir kuratiert ist. Empfehlungen aus dem Plattenladen, Dinge die ich im Radio gehört habe, das volle Programm. Ich werde ständig mit Musik überrascht, an die ich mich gar nicht mehr erinnere oder die mich umgekehrt an wichtige Abschnitte in meinem Leben erinnert. Eine absolut wilde Mischung aus unterschiedlichsten Genres, Empfehlungen von komplett unterschiedlichen Menschen.
Mein iPod hat mich zur Schule begleitet, auf die ich keine Lust hatte und später dann zu Jobs, auf die ich keine Lust hatte. Kurzum: ich habe eventuell eine ungesunde Bindung zu dem Ding.
Irgendwann kam das Smartphone und ich hatte 8GB Speicherplatz zur Verfügung. Zu dem Zeitpunkt habe ich trotzdem noch den iPod mitgenommen, denn der hat (wir erinnern uns) satte 80GB. Der kleine Smartphone-Speicher hat vielleicht für ein paar Brot-und-Butter Playlists gereicht aber das wurde schnell langweilig.
Und dann kam Spotify. Fast alle Songs, die die Welt zu bieten hat, über die Flatrate gestreamt. Nie wieder entscheiden müssen, was mitkommt. Cool. In der Anfangszeit war es für mich spannend zu sehen, wie gut die Empfehlungen waren und auch durch Spotify bin ich an Dinge gekommen, an die ich mich immer noch gerne erinnere. Wie zum Beispiel das britische Label High Focus Records. Hier ist allerdings der Unterschied, dass ich selbst aufs Label kommen musste, bzw. recherchieren musste, weil Spotify wie auch alle anderen Streamingdienste alles dafür tun, dass das Label in den Hintergrund rückt.
In den Genres, die ich so höre, geben Labels allerdings eine wichtige Orientierung. Wenn ich das Label kenne, kann ich im Vorfeld in etwa eingrenzen, wer an der Musik beteiligt ist, wie die Künstler:innen in etwa ticken, ob mir die Musik überhaupt gefallen wird und so weiter. Dinge, die mir gefallen, können Algorithmen auch gut rausfiltern, alles andere aber nicht und so bekomme ich einen bunten Blumenstrauß an Musik angeboten, die mir gefällt. Alles tiptop, oder?
Wenn ich die ganze Zeit nur im eigenen Saft schmore, entwickle ich mich nicht weiter und meine Aufmerksamkeitsspanne sinkt von „Oh neues Album, vielleicht ist der nächste Track ja was für mich.” hin zu „omg, 10sek rum, ich hasse es.” Weil ich mich ja als Mensch der Kultur verstehe (lol), habe ich mich immer aktiv dagegen gewehrt und habe trotzdem noch auf meinen alten Kanälen nach neuen Veröffentlichungen geschaut, Radio gehört, Empfehlungen abgespeichert. Und trotzdem habe ich gemerkt, wie ich bei der Suche nach neuer Musik immer fauler wurde.
Das ist ein langer erster Teil um zu sagen: „Ja, wenn du eine WG Party mit alten 90er Eurodance Hits bespielen willst, ist das vielleicht cool aber wenn dir Musik am Herzen liegt, ist das vielleicht ein bisschen stumpf, sich den Mix der Woche reinzufahren.”
Ein anderer Grund warum ich Spotify schon länger gekündigt habe, sind die andauernden Meldungen, wie schlecht Künstler:innen bezahlt werden, dass mit der Knete in AI-Waffentechnologie investiert wird und so weiter. Das ist für uns alle keine Neuigkeit, deshalb gehe ich hier gar nicht weiter drauf ein. Jede große Internetplattform kommt aus der Hölle und ich muss hier niemandem predigen, dass er oder sie bitte Spotify kündigen soll, während ich auf Instagram lustigen Mausespaß poste. Die haben halt einigermaßen guten Klang und gute Software. Kann ich schon verstehen, warum man das nutzt.
Außerdem geht mir die Abhängigkeit sehr stark auf den Keks. Online sein ist mittlerweile selbstverständlich aber wer mal auf einen Dienst gewartet hat, der gerade wegen eines Angriffs oder einer anderen Störung offline ist, weiß wie ätzend das sein kann. Für mich wäre es extrem schlecht, wenn ich gerade keine Musik streamen könnte. Abhängig machen außerdem Soziale Medien, jeder Griff, der nicht zum Smartphone geht ist ein guter. Ein iPod (oder auch jeder andere MP3 Player) lenkt mich nicht mit unwichtigen Pushmitteilungen ab, wenn ich einfach nur kurz den Schmerz mit Portishead betäuben muss.
Das sind einige der größten Gründe, warum ich wieder mit einem MP3 Player Musik höre. Sicher kann man sich auch eine aufwendige Dumbphone-Konstruktion bauen und Musik aufs Smartphone laden aber man unterschätzt wie gut es ist, ein Gerät für eine Aufgabe zu haben. Übrigens geht es mir mit meiner Kamera zum Vloggen genau so aber das ist vielleicht mal was für einen anderen Beitrag.